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Titel : Traumhafte Wirklichkeit !

So oder so kann es geschehen. Hoffnungsvoll reist Klara nach Los Angeles, dem Drehort ihrer Lieblingsserie, dem Wohnort des Hauptdarstellers, der ihr nicht mehr aus dem Kopf gehen will. In beiden Varianten  der Geschichte wird sie zufällig zur Retterin in der Not,  jedoch auf völlig gegensätzliche Art und Weise. Sie löst ahnungslos lang aufgestaute Probleme, und muss dabei feststellen, dass das Leben als Serienstar keineswegs auf der Sonnenseite stattfindet.

Wird  Klara ihren Traummann bekommen?

 

 

 


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Leseprobe:

 

Sonntag

 

 

 

Die Aufregung schnürt mir die Kehle zu. Mutterseelenalleine stehe ich in Los Angeles vor dem Flughafengebäude und frage mich, was ich mir dabei gedacht habe. Wie zur Hölle konnte ich es so weit kommen lassen? Was mache ich überhaupt hier?

 

Resolut streiche ich mein störrisches langes Haar hinter die Ohren, wie ich es immer mache, wenn ich nervös oder verzweifelt bin. In diesem Moment trifft definitiv beides zu. Nach dem langen, anstrengenden Flug erinnert meine Frisur an einen zehn Jahre alten, plattgetretenen Flokati in der Durchgangsschneise eines Raums, aber momentan habe ich wirklich andere Sorgen. Ich sehe mich um und straffe die Schultern. Da musst du jetzt durch, sage ich mir.

 

Etwa ein halbes Jahr ist es her, als ich ihn zum ersten Mal sah. Ich erinnere mich genau. Ich dachte, ich müsse umkippen, so überwältigt war ich von dem Gefühlssturm in mir. Normalerweise schalte ich samstagnachmittags die Flimmerkiste nicht ein, es war Zufall. An diesem Tag war alles anders. Auf tiefhängenden dunkelgrauen Wolken regnete es unaufhörlich, und meine Stimmung war im Keller.

 

Ich zappte gelangweilt sämtliche Programme durch, bis er mir plötzlich in die Augen sah. Wenn ich daran zurückdenke, glaube ich noch heute, dass mein Mund offen gestanden haben muss. Dieser Blick, dieses Gesicht, vom ersten Moment an war ich fasziniert. Die Faszination hielt die kommenden Wochen an, verwandelte sich in Obsession, ich konnte an nichts anderes mehr denken. Demzufolge versuchte ich alles über ihn herauszufinden, googelte mich halb zu Tode und fand haufenweise Serien-Foren, Fanseiten und Informationen, die ich aufsog wie ein ausgetrockneter, durstiger Schwamm.

 

Tom, ein junger Schauspieler ohne große Erfahrung, in seiner ersten Serienrolle. Einst Model, was mich bei diesem Anblick wenig wunderte. Die Sicherheit, dass er der Mann meines Lebens ist, nahm mich ein, nichts konnte mich davon abbringen. Er war es, ich spürte es sofort. Das Kribbeln in mir, das sich durch meinen Körper arbeitete, bestätigte meinen Glauben. Eine ganz besondere Art der Verbundenheit erwärmte mein Herz, sobald ich ihn auf dem Bildschirm sah. Zu verrückt, um es erklären zu können. In den folgenden Monaten wurden die Gefühle für ihn intensiver, die Wunschträume realistischer, nahezu unerträglich. Kurioserweise beindruckte mich von Anfang an herzlich wenig, dass er verheiratet ist. Das konnte nur ein Irrtum sein, eine Fehlfunktion in der Schicksalsverwaltung. Die absonderliche Idee, er könnte unglücklich sein, nährte meine Fantasien mit ihm zusätzlich.

 

Noch vor einigen Stunden war ich mir sogar sicher, das Richtige zu tun. Momentan ist von dieser Sicherheit nicht allzu viel übrig.

 

Mit dem Flughafengebäude im Rücken starre ich unschlüssig auf die stark befahrene Straße vor mir. Die Menschen hetzen an mir vorbei, ich kann mich nicht erinnern, mich je zuvor dermaßen verloren gefühlt zu haben. Die Luft ist schwül, abgasgeschwängert. Für einen kurzen Augenblick habe ich das Gefühl, ersticken zu müssen. Wie kann es im Schatten so furchtbar heiß sein? An einem Abend Anfang September. Unbegreiflich!

 

Linker Hand entdecke ich eine endlos lange Taxischlange, auf der gegenüberliegenden Straßenseite eine Bushaltestelle. Es wird mir nichts nützen in einen Bus zu steigen, da ich kein Ziel habe, und mich in dieser Stadt überhaupt nicht auskenne.

 

Ich bin zum ersten Mal in Los Angeles, habe nebenbei bemerkt null Plan, was ehrlicherweise gerade mein größtes Problem ist. Die Reise in irgendeiner Form zu organisieren war mir auf die Schnelle nicht in den Sinn gekommen. Ich bin ziemlich überstürzt, einer Laune folgend, aus meinem Alltag ausgebrochen. Kurzentschlossen habe ich den Flug nach LAX, Airport Los Angeles gebucht, ohne den geringsten Hauch einer Ahnung, wo ich ihn finden kann. Nun erhalte ich die Quittung für meinen spontanen und unüberlegten Aufbruch.

 

Die Autos zischen an mir vorbei und ich bekomme es regelrecht mit der Angst zu tun. Mit einem Mal sehe ich mich der ganzen Sache nicht mehr gewachsen, und würde am liebsten auf der Stelle kehrt machen, um einen Rückflug zu buchen. Kommt gar nicht in Frage, reiß dich jetzt bloß zusammen, schimpft eine Stimme in mir. Ich stoße einen tiefen Seufzer aus, stehe dabei noch immer wie festgetackert am gleichen Fleck.

 

Wären da nicht monatelang diese eigenartigen Gefühle für ihn in mir gewesen, die mir konsequent und ohne Unterlass eingeredet haben: Er ist der Richtige, du musst zu ihm.

 

Verdammt, gerade fühlt es sich alles andere als richtig an. Was soll ich nur tun?

 

Tief in Gedanken versunken und mit meinem Koffer im Schlepptau, betrete ich die Straße. Aus den Augenwinkeln bemerke ich ein Auto, das ich zuvor nicht gesehen hatte. Der Wagen kommt rasend schnell auf mich zu. Das Schlimme, der Fahrer scheint auch mich nicht zu bemerken. Mist! Der Schreck lässt mich reaktionslos verharren, mein Herzschlag stolpert intensiv vor sich hin. Hastig versuche ich auf die Seite zu springen, spüre aber sogleich einen dumpfen Schlag, der sich in Schwärze vor den Augen verwandelt.

 


 

WEITER...?